Green Buildings: Nachhaltiges Bauen in Deutschland auf dem Vormarsch

Der Green Building Markt boomt: Während bis 2013 lediglich 550 Gebäude zertifiziert wurden, waren es 2018 bereits 1.800 — Ein Wachstum von circa 250 Gebäuden im Jahr! Auch das Transaktionsvolumen kann sich sehen lassen: 10,1 Milliarden Euro wurden 2018 bei Single Deals mit nachhaltig zertifizierten Gebäuden erzielt. Damit wurde erstmals die 10-Milliarden-Euro-Marke überschritten. Es scheint, als kommt man an einem Zertifikat wie DGNB, BREEAM oder LEED nicht mehr vorbei. Wir haben mit Hermann Horster, Head of Sustainability bei BNP Paribas Real Estate Deutschland, darüber gesprochen, was es mit Green Buildings auf sich hat, welche Immobilienart am häufigsten zertifiziert wird und wie BNP Paribas Real Estate die Nachfrage auf dem Markt bedient.

Herr Horster, wie würden Sie den Begriff „Green Buildings“ definieren?

Dieser Begriff, der aus dem angelsächsischen Raum stammt, ist zugegebenermaßen irreführend. Heute geht es nicht mehr nur um ökologische Themen wie die Energieeffizienz eines Bürogebäudes oder die verwendeten Materialien, sondern auch um soziale Aspekte, beispielsweise ob sich die Mitarbeitenden an ihren Arbeitsplätzen wohlfühlen. Und natürlich auch um die Verbindung von Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit. Besser als „grünes“ würde deshalb „nachhaltiges Gebäude“ passen.

Woran erkennt man ein nachhaltiges Gebäude?

Das einfachste Erkennungszeichen ist eine entsprechende Zertifizierung. Es gibt derzeit drei anerkannte Zertifikate: DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e.V.) aus dem deutschsprachigen Raum, LEED oder BREEAM aus dem angelsächsischen Umfeld. Dabei hat die DGNB über 80 Prozent Marktanteil im Neubausegment, insgesamt (mit Bestand) liegt sie bei circa 64 Prozent. Auch die LEED-Zertifizierung wird schwerpunktmäßig im Neubausegment eingesetzt, wohingegen sich BREEAM stärker auf Bestandsobjekte konzentriert.

Aber um es klarzustellen: Das heißt im Umkehrschluss nicht, dass Gebäude ohne Zertifikat nicht nachhaltig sind. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen verzichten aus Kostengründen häufig auf eine Zertifizierung ihrer nachhaltig gestalteten Gebäude.

Zertifizierungen

Büroobjekte hatten 2018 mit über 750 Zertifikaten nach wie vor den größten Anteil der Objektarten. Bei Gewerbeimmobilien wird aber noch gar nicht so lange auf das Thema Nachhaltigkeit geachtet. Was treibt diesen Markt?

Tatsächlich steht dieses Thema erst seit etwa zehn Jahren im Fokus – zunächst im angelsächsischen Raum, und dann zunehmend auch in Deutschland. Getrieben wird das Wachstum durch die Mieter. Für viele Unternehmen ist ihr Firmensitz ein Differenzierungsmerkmal. Sie signalisieren damit, dass ihnen Themen wie Ökologie, soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit wichtig sind. Sie leisten dadurch ihren Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Städte und zur Erreichung der Klimaziele.

Insbesondere in den Großstädten wächst die Nachfrage daher kontinuierlich. So steuerten 2018 deutsche A-Standorte rund 94 Prozent zum Gesamtumsatz mit zertifizierten Gebäuden bei. Der Löwenanteil entfiel dabei mit 52 Prozent auf Frankfurt am Main. München folgt mit lediglich 12 Prozent auf Platz zwei.

Aktuelle Beispiele für zertifizierte Gebäude

  • DGNB: Der Forward Deal Aqua als Teil der FOUR-Projektentwicklung in Frankfurt
  • BREEAM: Der Metro Campus in Düsseldorf
  • LEED: Das Springer Quartier in Hamburg

Und welche Rolle spielen die Vermieter?

Die großen Investoren, beispielsweise offene Immobilienfonds und Versicherer, investieren bevorzugt in nachhaltige Gebäude – allein schon aus wirtschaftlichen Gründen. Bei zertifizierten Immobilien haben sie bessere Chancen, Mieter mit einer erstklassigen Bonität zu finden. Das ist auch der Grund dafür, dass es an attraktiven Bürostandorten wie Frankfurt kaum eine Gebäudesanierung gibt, in deren Rahmen nicht auch eine Nachhaltigkeitszertifizierung durchgeführt wird.

Was bietet BNP Paribas Real Estate den Kunden im Zusammenhang mit nachhaltigen Büroimmobilien an?

Wir bieten zu diesem Thema umfassende Dienstleistungen. Das fängt beim Consulting an: So führen wir eine zeit- und kostenoptimierte Gebäude- beziehungsweise Portfolioanalyse durch und leiten daraus konkrete Maßnahmen ab. Dabei werden stets die Aspekte der Nachhaltigkeit mit denen der Wirtschaftlichkeit verknüpft: Die Verringerung der CO2-Emissionen geht mit der Senkung von Energiekosten einher.

Ein weiteres Element ist ein nachhaltiges Property Management: Dadurch werden in der Bestandsbetreuung Lebenszykluskosten verringert, ökologische Risiken reduziert und Schadstoffe minimiert, um die Arbeitsplätze im Gebäude langfristig sicher und wirtschaftlich gestalten zu können. Im Rahmen des Investment Consulting beraten wir zudem unsere Kunden und klären mit ihnen beispielsweise, ob sich ein Nachhaltigkeitszertifikat für ihre Projekte lohnt.

Wie ist BNP Paribas Real Estate in diesem Bereich am Markt positioniert?

Wir sind in diesem Thema sehr engagiert, was am Markt stark wahrgenommen wird. So sind wir an verschiedenen Arbeitsgruppen zum Thema Nachhaltigkeit beteiligt. Ich selbst bin Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB).

Und für die Kunden nimmt dieses Thema kontinuierlich an Bedeutung zu. So kommt es immer häufiger vor, dass unsere Expertise im Auswahlprozess von Immobilien gefragt ist und wir daher zur Teilnahme an Entscheidungsgremien eingeladen werden.