Neuer Trend oder alter Hut? Mischnutzung in der Projektentwicklung

In der Projektentwicklung wird Mischnutzung immer wichtiger – nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa! Seit kurzem ist Séverine Chapus bei BNP Paribas Real Estate Frankreich als Head of Development für große Mixed-Use-Projekte zuständig. In diesem Interview erklärt sie, wie ein Mischnutzungsprojekt aussehen kann und welche Trends die Entwicklung der Projekte beeinflussen.

Frau Chapus, können Sie uns sagen, was ein Mixed-Use-Projekt genau ist?

Das Besondere an einem Mischnutzungsprojekt ist, dass es in Bezug auf die Nutzung eine ganze Reihe von Möglichkeiten gibt, wie Menschen mit einem Gebiet oder Viertel innerhalb einer Stadt oder Gemeinde interagieren können. Es geht hierbei nicht nur um ein isoliertes Gebäude, das Wohnen und Büro kombiniert, sondern um ein ganzes Quartier, in dem Wohnen mit Büro, nichtstörendes Gewerbe, Einzelhandel und Freizeit integriert werden. Auf diese Weise werden Bewohnern und Besuchern vielfältige Optionen geboten, und das mit kurzen Wegen.

Wie startet man ein Projekt mit gemischter Nutzung?

Was die Vision dieser Mixed-Use-Projekte vorantreibt, sind folgende Fragen: „Warum machen wir das?“ und „Für wen ist das?“. Natürlich sind es die zukünftigen Bewohner und Beschäftigten, die von der Mischnutzung profitieren sollen. Es geht also darum, zu verstehen, welche Bedürfnisse sie haben und wie sie das neue Quartier nutzen werden.

Ein Projekt mit gemischter Nutzung ist häufig die beste Antwort auf größere Entwicklungsareale in zentralen, gut angebundenen Lagen. Ein Gebiet soll neu entwickelt oder komplett neu erfunden werden, weil Nachfragebedarf von verschiedenen Nutzungen vorhanden, eine Diversifizierung nötig ist oder als Folge des sozialen Wandels oder eines kulturellen Ereignisses. So werden beispielsweise die Olympischen Spiele 2024 in Paris ein großes Projekt für die BNP Paribas Real Estate in Frankreich sein. Als Immobilienakteur werden wir eine große Rolle bei der Entwicklung von Paris und seinem Umland spielen.

Was sind die Schlüsselfaktoren, über die man bei einem solchen Projekt nachdenken sollte?

Langlebigkeit ist ein wichtiger Schlüsselfaktor. Deshalb muss unser Projekt-Team darüber nachdenken, wie diese Projekte eine Community für einen Tag, eine Woche oder langfristig unterstützen können. Es liegt an der Immobilie, sich diesen Bedürfnissen und Lebensweisen anzupassen und Lösungen anzubieten, welche die Bevölkerung unterstützen, für die wir solche Projekte realisieren.

Bei Projekten mit gemischter Nutzung geht es also darum, einen Standort und sein Umfeld bzw. seine Einbettung innerhalb der Stadt zu verstehen und das neue Quartier flexibler zu gestalten, um besser auf die Bedürfnisse und Wünsche seiner zukünftigen und umliegenden Bewohner und Beschäftigten eingehen zu können. Es geht darum, das Bestehende zu transformieren und ihm neues Leben einzuhauchen.

Ist Mischnutzung ein völlig neues Konzept?

Nein, ursprünglich war Stadt immer schon gleichbedeutend mit Mischnutzung. Es geht heute darum, nachdem man Jahrzehnte versucht hat, Nutzungen voneinander zu trennen, jetzt diese wieder zusammen zu führen und auf die Anforderungen unserer Gesellschaft jetzt und in Zukunft adäquat zu reagieren.

Das Nachdenken über Mischnutzung und auch Reversibilität ist also nicht neu. Neu ist aber der Planungsprozess, wie individuell Konzepte für gemischte Quartiere entwickelt werden können, wie die sich verändernden Anforderungen aus Wohn- und Arbeitswelt zu berücksichtigen sind und wie die Menschen an diesem Prozess partizipieren können.

Es geht nicht darum, dass wir das Leben der Menschen verändern, sondern darum, die Rahmenbedingungen zu schaffen, die es den Menschen ermöglichen, so zu leben, wie sie es möchten.

Séverine Chapus, Head of Development, BNP Paribas Real Estate Frankreich

Welche aktuellen Trends treiben Mixed-Use-Projekte voran?

Ich denke, wir sind uns im Moment sehr wohl der Notwendigkeit bewusst, nachhaltiger und umweltbewusster zu werden. Um auf diese Notwendigkeit der Zukunftssicherheit zu reagieren, müssen meiner Meinung nach Städte neu erfunden und angepasst werden, damit sie den zukünftigen Veränderungen standhalten können. Es sind auch die Bewohner dieser Gebiete, insbesondere die jungen Menschen, die immer wieder darauf bestehen, dass Gebäude nachhaltig sein müssen und ihr Wohnort umweltfreundlich bleibt. Wir können daher keine Projekte entwickeln, die nicht auf diese Wünsche eingehen, sodass die Trends, die wir derzeit sehen, das Ergebnis dessen sind, was die Menschen heute fordern. 

Es geht nicht darum, dass wir das Leben der Menschen verändern, sondern darum, die Rahmenbedingungen zu schaffen, die es den Menschen ermöglichen, so zu leben, wie sie es möchten – und das für alle Zielgruppen. Also müssen wir verstehen, wie dies für Menschen jeden Alters und aller Fähigkeiten angepasst werden kann, die unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie eine angepasste Nachbarschaft aussieht. Mein Erfolg in der Rolle als Head of Development ist daher die Schaffung einer zukunftsfähigen Nachbarschaft, die auf die Bedürfnisse aller Menschen eingeht.

Das vollständige Interview in englischer Sprache finden Sie hier: https://www.realestate.bnpparibas.com/interview-severine-chapus-head-development-major-mixed-use-projects

Von unser/em Experten/in: Séverine Chapus, Head of Development bei BNP Paribas Real Estate Frankreich