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Immobilien aus dem 3D-Drucker?

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3D-Druck – Immobilienbranche vor massiver Veränderung?

Während vor einigen Jahren 3D-Druck noch ferne Zukunft war, beeindrucken heute die ersten Anwendungsbeispiele. GE (General Electric) entwickelte beispielsweise eine Kraftstoffdüse aus dem 3D-Drucker. Herausragend ist, dass die Düse vorher aus zwanzig verschiedenen Einzelteilen bestand, die von unterschiedlichen Zulieferern gefertigt wurden. Heute stellt GE das Bauteil an einem Stück selbst her. Es ist außerdem dank der technischen Möglichkeiten beim 3D-Druck komplexer als sein Vorgänger.

Das GE-Beispiel zeigt, wie die additive Fertigung Industriezweige erschüttern könnte. Doch hat sich die Technologie noch lange nicht überall etabliert und erobert Bereiche eher nach und nach. Beim Zahnersatz ist der 3D-Durck beispielsweise selbstverständlich. Dagegen werden in der Industrie mit der neuen Technologie vor allem Prototypen hergestellt. Vorreiter sind die Automobilindustrie und der Flugzeugbau, die Bauteilen bereits in Serie fertigen. Dies dauert allerdings oftmals noch zu lange, um mit dem klassischen Formenbau wettbewerbsfähig zu sein. In anderen Branchen wird auch mit Textilien, Schuhen oder Lebensmitteln experimentiert. So eröffnete etwa letztes Jahr in London für kurze Zeit ein Pop-up-Restaurant, das Speisen aus dem 3D-Drucker servierte.

Faszination 3D-Druck

So faszinierend das Drucken von Gegenständen ist: Die additive Fertigung ist noch lange nicht ausgereift. Wenn überhaupt, dann wird erwartet, dass der 3D-Druck die Industrie erst in den nächsten 20 bis 50 Jahren maßgeblich verändern wird. Die Neuerung würde dann folgende Veränderungen mit sich bringen:

  • Komplexere und individualisierbare Bauteile und Gebrauchsgegenstände
  • Grünere Fertigung, weil es weniger Abfall gibt und die Bauteile leichter werden – Reduktion von CO2-Emissionen
  • Kürzere Transportwege und Wegfall von Zöllen bei Import und Export
  • Geringere Kosten für Lagerung und Transport; Zulieferer werden weniger nachgefragt
  • Effizienteres Ersatzteilmanagement

Nicht alles aber ist rosig in der Zukunft. Zu klären sind Patentrechte und Garantieansprüche für 3D-Druck-Produkte. In einer Cloud hinterlegte Baupläne können Ziel von Cyberangriffen werden.

Immobilien aus dem 3D-Drucker?
Immobilien aus dem 3D-Drucker – Unmöglich oder realisierbare Zukunftsmusik?

Lösung für den Grundstücksmangel

Welchen Einfluss aber hat die additive Fertigung auf die Immobilienbranche? Möglich ist, dass der Flächenbedarf sinkt. Bei dem aktuellen Grundstücksmangel wäre das eine willkommene Entwicklung. Statt Ersatzteile über viele Jahre auf Halde zu legen und die Flächen dafür bereit zu halten, können mit dem 3D-Druck Bauteile nach Bedarf für verschiedene Industrien gefertigt werden. Es reicht, die Baupläne digital zu hinterlegen. Man muss sich aber fragen: Wie viel Platz benötigt die Fertigung im 3D-Druck, und wird dadurch womöglich die Einsparung durch die wegfallende Lagerfläche wieder aufgehoben?

Doch nicht nur Bauteile könnten vor Ort produziert werden, sondern wahrscheinlich auch die Immobilie selbst oder zumindest Teile davon. Im Anschluss würden die Elemente sofort verbaut werden. Eine definitiv spannende Frage für Entwickler nicht nur im Bezug auf Industrie- und Logistikimmobilien.

Logistik-Hotspots auf dem Prüfstand

Mit der Fertigung vor Ort könnte sich auch die Verteilung der Industrie-Hotspots in Deutschland verändern. Wenn Waren nicht mehr hauptsächlich aus dem Ausland nach Deutschland transportiert werden, könnte sich die Gewichtung von Standortfaktoren verschieben. Das aber soll nicht suggerieren, dass die Logistik eingestellt wird, denn Rohstoffe werden auch in Zukunft transportiert werden müssen.

Verstärken wird sich zudem das Problem der Zustellung auf der letzten Meile. Das ist heute bereits eine Herausforderung und wenn mehr Waren direkt im Verbraucherland produziert werden, wird die Menge an Sendungen noch einmal beträchtlich steigen. Es braucht daher bereits heute clevere Lösungen, um auf die Zukunft vorbereitet zu sein.

Zuletzt stelle ich mir die Frage, wie die Diskussion zwischen Kommunen und Entwicklern weiter verläuft. Wird ein Branchenmix zwischen Industrie und Wohnen wahrscheinlicher, wenn Industrie nicht mehr laut und dreckig ist?

Industrielle Revolution?

Das alles ist noch ferne Zukunft. Die Veränderungen, die jedoch eintreten könnten, sind massiv. Noch lange sind nicht alle Fragen sowohl für die Immobilienbranche als auch für alle anderen Branchen und die Gesellschaft identifiziert. Wie wird sich die neue Technik auf Arbeitsplätze auswirken? Erlebt die Produktion von Waren eine Demokratisierung? Dass jeder Haushalt irgendwann über einen 3D-Drucker verfügen wird, halten viele noch für unwahrscheinlich. Wie aber war das mit dem ersten Computer?

 

Von unserem Experten: Christopher Raabe

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