Mikroapartments im Baukastenformat sieht man immer häufiger

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Temporäres Wohnen als Überdruckventil

Bis 2035 werden in Berlin vier Millionen Menschen leben. In München wird die Bevölkerung auf 1,66 Millionen ansteigen, was einem Wachstum um mehr als 14 Prozent entspricht. In Frankfurt werden 2035 fast 814.000 Menschen wohnen – ein Plus von elf Prozent. Die Entwicklung ist offensichtlich: in den Städten wird es eng.

Wohnungsbau in Deutschland hinkt hinterher

Der Wohnungsmangel ist ein immer wieder heiß diskutiertes Thema und Hauptursache für die steigenden Mieten. Eine bezahlbare Wohnung zu finden, ist vor allem in Großstädten für immer mehr Menschen eine Herausforderung geworden. Dabei werden Wohnungen überall errichtet, sie brauchen nur ihre Zeit bis zur Fertigstellung. Erschwerend kommen lange Genehmigungsverfahren, Baulandmangel und regulatorische Hürden hinzu, wodurch der Wohnungsbau kurz- bis mittelfristig nicht für ausreichende Entlastung sorgen kann.

Nachfrage nach Mikroapartments steigt

Lebensweisen und Wohnbedürfnisse verändern sich. Flexible Wohnungsbaukonzepte werden immer häufiger nachgefragt: Neben den langfristigen Mietern, die z. T. über mehrere Jahrzehnte in einer Wohnung leben, ist die kurzfristige Nachfrage nach kleineren Wohnungen, die für einen überschaubaren Zeitraum von einigen Monaten bis zu ein paar Jahren angemietet werden, steigend. Vor allem, wenn sie komfortabel und gut gelegen sind. Mikroapartmentmodelle sollen mithelfen, diese Nachfrage zu befriedigen. Ursprünglich in den USA entwickelt und auf Studenten ausgerichtet, sind die neuen Apartments aber auch für andere Nutzergruppen attraktiv.

Wer sind die Abnehmer für diese Form des Wohnens?

  • Die klassische Gruppe, die für Mikroapartments besonders relevant ist, sind die Studenten. Sie suchen eine bezahlbare Einzimmerwohnung oder ein WG-Zimmer mit einer begrenzten Mietdauer. Besonders in Universitätshochburgen ist die Wohnungssuche nicht einfach. Der Wettbewerb ist hart und ohne die Bürgschaft der Eltern fallen Studenten häufig aus dem Raster der Vermieter.
  • Zudem zieht es berufstätige junge Menschen (Berufseinsteiger, Young Professionals) in Ballungszentren. Dieser Trend wird sich auch so schnell nicht ändern. Oft muss eine Wohnung kurzfristig gefunden werden, die Suche erfolgt pragmatisch und die Wohnung gilt als Übergangslösung. Häufig steht sie am Wochenende leer, weil Familie und Freunde in der Heimat leben.
  • Fachkräfte und Projektmitarbeiter aus dem In- und Ausland, die häufig spontan und für eine begrenzte Zeit in einer Stadt beruflich aktiv sind zählen ebenfalls zur Zielgruppe. Sie verfügen oftmals nicht über die Marktkenntnisse und die Zeit, um sich nach einer Wohnung umzusehen. Sie benötigen Wohnraum, der flexibel und kurzfristig zur Verfügung steht. Das gleiche gilt für Wochenendpendler. Sie arbeiten innerhalb der Woche an einem Standort, ihr Lebensmittelpunkt ist jedoch woanders.
  • Im Zuge des temporären Wohnens hat sich eine neue Nachfragegruppe gebildet. Über Plattformen wie Airbnb werden Privatwohnungen vermehrt an Touristen vergeben. Vermietet wird eine vollmöblierte Wohnung für einen kurzen Zeitraum in zentraler Lage. Für Berlin und weitere Großstädte hat sich diese Art der Vermietung zu einem Problem entwickelt. So fehlen durch das Onlineportal im Schnitt 19.000 Wohnungen auf dem Markt.
  • Immer mehr kleine Haushalte und insbesondere Singles sind ebenfalls auf der Suche nach 1-2-Zimmer-Wohnungen. Damit wird es für die oben genannten Zielgruppen nochmals schwieriger, kurzfristig kompakte Wohnungen zu finden.
Mikroapartments im Baukastenformat sieht man immer häufiger
Mikroapartments im Baukastenformat sieht man immer häuiger und sind ideal für Singles, Studenten oder Wochenendheimfahrer. Nur sind sie auch für jeden leistbar?

Die teure Alternative?

Mikroapartments werden immer häufiger als Lösung für einen knappen Wohnungsmarkt gefeiert.  Gebucht wird das Rund-um-Sorglos-Paket mit vielen Service-Leistungen wie einer bestehenden Internetverbindung, Wäschereien oder Kennenlern-Events, um Anschluss zu finden. Dem Mieter ist ein möglichst geringer Aufwand beim Umzug und gleichzeitig hoher Wohnkomfort wichtig.

Dieser Service hat allerdings seinen Preis – Mikroapartments sind wesentlich teurer als ein Zimmer in einer WG oder unmöblierte, kleine Wohnungen. Das Angebot an Mikroapartments wird sich somit langfristig wandeln müssen: Günstigere Kompaktwohnungen mit optionalen Serviceleistungen sind eine Alternative für Interessenten ohne großen Geldbeutel.

Allen Varianten dieser Wohnform ist jedoch eines gemein: der Mikrostandort muss gut gewählt sein. Eine gute Versorgung im Umfeld, sehr gute Anbindungen an den OEPNV und eine schnelle Erreichbarkeit von Universität und wichtigen Arbeitgebern sind ebenso von großer Bedeutung, wie kurze Wege ins Zentrum oder ins Szeneviertel.

Allerdings können Mikroapartments alleine nicht den Wohnungsmangel beheben. Sie stellen vielmehr ein wichtiges Instrument dar, um dem Problem zu begegnen und den Bedürfnissen nach mehr Wohn-Flexibilität gerecht zu werden. Temporäres Wohnen ist somit eine Reaktion des Wohnungsmarkts auf die sich wandelnde Gesellschaft.

 

Von unserem Experten: Udo Cordts-Sanzenbacher

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