Urban Farming: Landwirtschaft in der Stadt und auf dem Dach

Immer mehr Menschen wohnen im urbanen Raum, wollen aber nicht auf ökologische Produkte und auf die Gartenarbeit verzichten. Landwirtschaftliche Flächen in der Stadt sind jedoch rar. Aus diesem Grund gewinnt das Urban Farming und das Vertical Gardening an Bedeutung – auch für Unternehmen.

Definition: Urban Farming vs. Urban Gardening

Größtenteils werden diese beiden Begriffe als Synonyme verwendet. Das Urban Gardening bezieht sich jedoch nur auf den Anbau für den Eigenbedarf, während das Urban Farming die Landwirtschaft im städtischen Bereich bezeichnet. Hierbei werden Gemüse-, Obst-, Blumen- oder Kräutergärten angelegt, um auch auf kommerzieller Basis Produkte für eine größere Bevölkerungszahl zu liefern. Urbane Landwirtschaft findet sich mittlerweile

  • auf Brachflächen
  • auf Grünflächen
  • auf Hausdächern
  • an Hauswänden
  • in Hochhäusern

Aus Platzmangel in der Stadt wird gerade die vertikale Landwirtschaft – englisch Vertical Farming – als ein wichtiges, zukunftsfähiges Konzept betrachtet. Hierbei werden Nutzpflanzen an Vorrichtungen oder Hausfassaden vertikal angepflanzt. Viele dieser Projekte sind jedoch noch in der Planungs- oder Entwicklungsphase.

Wird das sogenannte Vertical Farming in Zukunft zum Standard? Eine spannende Dokumentation mit inspirierenden Beispielen aus der ganzen Welt.

Beispiele für urbane Landwirtschaft in Deutschland

Ein konkretes Beispiel für eine vertikale Farm gibt es in Deutschland zwar noch nicht, dennoch gibt es hierzulande einige Bestrebungen, Lebensmittel in der unmittelbaren Umgebung anzupflanzen. Der Durchbruch dieser Bewegung gelang spätestens 2009 mit der Eröffnung der Prinzessinnengärten in Berlin. Auf einer 6.000 Quadratmeter großen Brachfläche in Kreuzberg-Friedrichshain wird seit über zehn Jahren Gemüse mobil angepflanzt, das heißt in Blumenkübeln, Säcken oder alten Badewannen, um jederzeit umziehen zu können.

Auch das rheinland-pfälzische Andernach hat sich mit dem Prinzip der essbaren Stadt ebenfalls vorgenommen, ihre Freiflächen mit Nutzpflanzen zu bestücken und zur Selbstversorgung der Bürgerinnen und Bürger beizutragen.

Innovationen für die städtische Landwirtschaft

Auch im Ausland gibt es zahlreiche inspirierende Beispiele. So wird in Detroit, wo bis in die 90er Jahre die Automobilbranche vorherrschend war, derzeit auf die Landwirtschaft gesetzt. Auf ehemaligen Fabrikgeländen gedeihen über 1.000 private und gemeinnützige Gärten und schaffen so neue Hoffnung in einer Region, aus der rund eine Million Menschen weggezogen sind.

Im Londoner Stadtteil Clapham wurde sogar ein ehemaliger Luftschutzbunker aus dem 2. Weltkrieg zur Stadtgärtnerei „Growing Underground“ umfunktioniert, in der jetzt Salate und Kräuter wachsen.

Städtische Landwirtschaft: gut für Stadt, Bewohner und Umwelt

Städte und auch ihre Bewohner profitieren gleichermaßen von dieser Entwicklung und den innovativen Ideen im Bereich Urban Farming. Bewohner erhalten durch städtische Gärten die Chance, einen Teil ihrer direkten Umgebung mitzugestalten und können beim Gärtnern neue Kontakte knüpfen. Durch den eigenen Anbau wissen die Konsumenten außerdem Lebensmittel wieder mehr zu schätzen, sodass eventuell auch Lebensmittelverschwendung vermieden werden kann. Natürlich profitiert auch die Umwelt von der städtischen Pflanzenzucht. Urbane Landwirtschaft sorgt unter anderem für kürzere und damit umweltfreundlichere Transportwege und schützt die Artenvielfalt. Denn wenn die ganze Stadt in verschiedenen Farben blüht, haben auch Insekten wieder mehr Nahrung.

Urban Farming bei BNP Paribas Real Estate

All diese Vorteile hat das Headquarter von BNP Paribas Real Estate in Paris erkannt und sich dazu entschlossen, die Dächer des Firmengebäudes zu einem Gärtner-Paradies zu verwandeln: Auf 640 Quadratmetern werden verschiedene Arten von Früchten, Gemüse und Kräuter angepflanzt. Dabei können Mitarbeitende in Teams drei Quadratmeter mit 71 verschiedenen Früchten, Gemüsesorten und Kräutern bepflanzen und erhalten dabei einen Ertrag von bis zu 25 Kilogramm im Jahr! Damit die Erzeugnisse auch erfolgreich geerntet werden können, werden die Mitarbeitenden von einem Community-Gärtner unterstützt. Dieser gibt zudem auch Koch-Workshops, um zu zeigen, wie die eigenen Produkte weiterverarbeitet werden können.


Ein Teil des urbanen Gartens wird auch für Forschungszwecke genutzt. Gemeinsam mit dem Urban-Farming-Spezialisten Mugo und der Agro Paris Tech Universität wird daran geforscht, welche Pflanzen am besten in Metropolen wie Paris wachsen. Auch die Kantine vor Ort profitiert von der urbanen Farm, da sie die Erzeugnisse für ihre Gerichte verwendet.

Und auch die neue BNPPRE-Niederlassung in Hamburg möchte ihr Dach begrünen. Im Laufe des kommenden Jahres entsteht eine Blumenwiese auf dem Dach in den Hohen Bleichen. Darüber freuen sich sicher auch die 15.000 Bienen, die seit Sommer 2019 „Untermieter“ im Büro in der Hansestadt sind.



Autorin: Marina Vogt